So will ich euch meine Geschichte erzählen. Mein Name ist Pascal, meines Zeichens Nadelbinder. Das Licht der Welt erblickte ich in Oberglatt. Eine Siedlung  erbaut an einem Ausläufer des Rheins. Als zweitgeborener Sohn von Ulrich  ist  es mir bestimmt beim Erbe erst mal hinten anzustehen.  Mein Bruder würde in absehbarer Zeit heiraten. Sicherlich führt er später Vaters Geschäft für ihn fort.

Eigentlich führte ich ein beschauliches Leben, bis zu jenem Tag…
Nichts Böses ahnend schritt ich durch den Wald um Feuerholz zu sammeln. Wir dürfen nämlich nicht einfach Bäume fällen, wie es uns passt, aber tote Äste aufzusammeln erlauben die Herren von St. Martin.
Plötzlich vernahm ich Schreie. Sogleich den Rufen folgend stolperte ich auf eine Lichtung. Was ich sah, verschlug mir den Atem. Claudia, die Tochter des Schmieds war dort und ein junger Edler, womit auch immer er diese Bezeichnung verdienen soll, bedrängte sie. Jenes Mädchen war meinem Bruder versprochen. Als er mich erblickte, langte er sogleich nach seinem Jagdmesser. Intuitiv hob ich einen faustgrossen Stein auf und traf ihn am Körper. Ein zweiter Wurf gegen den Kopf und ein Hieb mit einem Ast. Alles geschah so schnell und der Kerl bewegte sich nicht mehr! Panisch rannten wir davon, bis das Atmen schmerzte. Claudia war überaus  froh um mein Eingreifen, aber diese Tat würde für unsere Familien schlimmste Konsequenzen haben. Sie sollen nicht darunter leiden müssen, entschied ich.
Noch am selben Abend verliess ich in aller Heimlichkeit das Dorf. Den Tag durch hatte ich so viele Habseligkeiten zusammengepackt,  wie ich zu tragen vermöchte. Bevor ich aus dem Dorf schied traf ich sie ein letztes Mal und bat sie darum unseren Eltern die Wahrheit zu erzählen. Durch mein Opfer würde unseren Familien ein unbescholten weiterleben können, so hoffe ich inständig. Claudias Peiniger kennt  niemanden von uns,  sofern er noch leben und  das Dorf betreten würde.
Der Herr weiss, dass ich nicht unrecht handelte, doch die hohen Herren sähen das sicherlich anders. Mein Wort gegen das eines Edelmannes, wem würden sie wohl glauben.

Nunmehr bin ich schon über zwei  Jahre unterwegs. Von einem Mönch erfuhr ich, dass östlich in St. Gallen ein Kloster sein soll, welches gläubigen jederzeit Unterschlupf gewähre. Ebenso verspricht diese Stadt eine gute Gelegenheit Arbeit zu finden und bietet Schutz vor Verfolgung und Wegelagerern.  Es wäre am einfachsten immer  den Flussläufen zu folgen meinte er. Als reisender Handwerker kam ich irgendwie durch.  Ehrlichkeit, Fleiss und meiner Hände Arbeit ermöglichten dies.  Jeden Abend betete ich. Glaube und Hoffnung sind ein starker Führer.  Mein Weg führte mich der Glatt entlang bis zum Rhein. Diesem mächtigen Strom folgte ich in östlicher Richtung bis zur Thur. Von hier aus wanderte ich immer weiter östlich, den Fluss zur Linken. Irgendwann würde sich ein weiterer Wasserlauf abzweigen, der bis nach St Gallen führen soll.
Es sollte jedoch anders kommen…

Ende April im Jahre des Herrn 1180 half ich in Weinfelden einem Ritter unverhofft aus einer unbequemen Lage. Sein Gewand war auf der Reise aufgerissen und er befand sich in Eile, konnte so jedoch schlecht zur Geplanten Unterredung unter Standesgenossen erscheinen. Bei genauem Hinsehen würde man die Flickarbeit zwar bemerken, aber es erfüllte seinen Zweck auf die Schnelle wohl. Er hiess mich bei Marktplatz auf ihn zu warten und tatsächlich kehrte er wieder und bot mir an mein Handwerk fortan in seinen Diensten zu verrichten.

So fand ich zu dieser Reisegemeinschaft.